Freitag, 29. Juni 2012

Fortsetzung folgt Freitag

Es passierte am vergangenen Dienstag. Ich war einmal wieder in meinem Lieblingströdelladen Troc. Wie eigentlich immer, hatte ich keinen festen Plan, sondern stöberte einfach so rum. Bei einem Holznähkästchen blieb ich stehn. Es war so eins, das man ziehharmonikaartig seitwärts aufklappt. 30 € wollten sie dafür. Was das wohl mal neu gekostet haben mag? Ich klappte es auf und da war es wieder, dieses "was bleibt? Gefühl". Denn das Kästchen war nicht leer. Garnspulen, Stopfnadeln, Bänder... gerade so als hätte es seine Nutzerin eben beiseite gelegt. Wem mögen diese liebevoll geordneten Dinge wohl einmal gehört haben? Lebt sie noch? In einem Pflegeheim vielleicht. Oder sie sieht nicht mehr gut und musste das Handarbeiten aufgeben? Egal was der Grund gewesen sein mag, gern hat sie sich vermutlich nicht davon getrennt...
Beim Anblick dieser Sachen werde ich unvermittelt an meine eigene Endlichkeit erinnert. Was geschieht dann wohl mit der Blechkiste, in der ich meine Nähutensilien horte, mit meiner geliebten Sammlung an Häkel- und Stricknadeln? Wird vielleicht irgendwann irgendwo irgendjemand beim öffnen meiner Basttruhe erstaunt feststellen, dass sie randvoll gefüllt ist mit bunten Wollknäueln? Wird ein völlig Unbekannter seinen Milchkaffee aus meinem "I ♥ Paris" Becher trinken und dabei nichts von meiner merkwürdigen Eigenart wissen, immer den letzten Schluck drin zu vergessen? Das lässt mich an den wunderbaren Film Weekend denken, den wir Samstag gesehen haben, in dem der Mann, der mich optisch so unwahrscheinlich an Edi erinnert hat, darüber redet, warum er es liebt, gebrauchte Dinge zu benutzen und Mutmaßungen anstellt, wem sein Trödel-Teebecher - es ist ja ein britischer Film - wohl gehört haben mag.


Doch das alles ist kein Grund in lethargischer Melancholie zu versinken! Im Gegenteil! Es ist vielmehr ein "Reminder" dass mein Leben JETZT stattfindet.
JETZT kann ich meinen Morgenkaffee aus den Bechern meiner Sammlung genießen, deren wahren Wert nur ich kenne. Denn nur ich weiß, warum mich die Hawaii-Tasse an meine Zeit beim Brockhaus erinnert oder weshalb es vom Princess-Diva-Paar nur noch die Diva gibt und ausschließlich ich kenne den Grund, weshalb ich beim Reiskochen immer ans Frühstücken bei Oma und Opa erinnert werde.
JETZT soll ich die Häkelnadeln zum Glühen bringen, solange meine Hände noch jung genug sind, sodass meine Wolle auch von mir verbraucht wird.
JETZT...

Donnerstag, 28. Juni 2012

AprikosenMarmeladenKonfitürenGsälz



Für mich habe ich heute Marmelade gekocht, auch wenn ich das laut  EU-Vorschrift (Codexkapitel B5 Konfitüre und andere Obsterzeugnisse) eigentlich nicht dürfte. Da Aprikosen zwar orange, trotzdem keine Zitrusfrüchte sind, müsste es Konfitüre heißen. Sorry, aber selbst wenn es hier in Frankreich auch "confiture" heißt, hört sich Konfitüre für mich nicht nach dem an, was ich heute gekocht und in Gläser abgefüllt habe. Für mich wird es, wie bei den Österreichern seit 2003 wieder, weiterhin Marmelade oder allerhöchstens mal schwäbisch Gsälz heißen. Punkt. Lustig ist ja auch, dass die Bezeichnung Marmelade laut Wikipedia vom portugiesischen Wort "marmelo" für Quitte stammen soll. Seit wann gehören Quitten bitteschön zu den Zitrusfrüchten?!

Egal. Hier gehts auf jeden Fall zum Rezept. Und jetzt freu ich mich auf ein schönes frisches Croissant von der Boulangerie um die Ecke, mit meiner ersten selbstgemachten Aprikosenmarmelade.


Freitag, 22. Juni 2012

Fortsetzung folgt Freitag

Angeblich sollen wir Schwaben ja die Kehrwoche erfunden haben. Aber wir Schwaben gelten ja auch als besonders sparsam. Wenn man mich nur mit diesen beiden Maßstäben misst, passe ich nicht in die Schwaben-Schublade. Zwar habe ich nen Bausparvertrag und beherzige das Motto meiner Eltern, dass man besser auf etwas hinspart statt dafür nen Kredit abzustottern, auch wenn man dann ggf. länger warten muss, bis man es hat. Aber ist das schwäbisch oder nicht einfach nur ne kluge Idee?
Zurück zur Kehrwoche. Ich kam auf das Thema, weil mich gestern die Putzwut gepackt hat und ich darum jetzt in ner aufgeräumt saubren Wohnung sitze. Und wieder einmal nehme ich mir vor: "die Wohnung bleibt von nun an in diesem repräsentativen Zustand." Ich bewundere ja Leute, die man anscheinend zu jeder Zeit und völlig überraschend besuchen kann und deren Wohnung stets so aussieht als würde jede Minute ein Foto-Team von "Schöner Wohnen" oder "Living at Home" auftauchen. Da frag ich mich: "haben diese Leute eigentlich auch noch dieses behagliche ach-wie-ist-das-schön-Wohlgefühl, das einen überkommt, wenn man es sich nach getaner Putzarbeit mit ner schönen Tasse Milchkaffee auf dem Sofa bequem macht?" (Man hat diesmal natürlich penibel darauf geachtet, dass die Senseo keine Sauerei macht und passt auf, dass auch der Kaffeebecher ja keine Ränder hinterlässt)
Vielleicht kann ich mit dem Thema Kehrwoche auch nur deshalb so locker umgehen, weil mir hier in Frankreich sicher niemand ein Kehrwochenschild neben die Tür hängen wird. Wie unverständlich die Kehrwoche für Franzosen ist, zeigt dieses Video:






Auf der anderen Seite fällt mir gerade auf, dass unser Parkplatz in der Gemeinschaftsgarage der einzige zu sein scheint, der je einen Besen in Aktion gesehen hat. Und wer hat wohl am Mittwoch den Treppenaufgang gekehrt, den wir uns mit der Nachbarin teilen? Vielleicht bin ich doch nicht ganz frei von Kehrwochen-Genen...



Dienstag, 19. Juni 2012

Pin it Wand















Irgendwie wurde es mir auf der Kühlschranktür zu voll. Drum musste ne zusätzliche Pinnwand her, um einiges auszulagern. Denn wenn man die Sachen in ne "Memory-Kiste" tut, sind sie in der Regel nicht nur aus den Augen, sondern auch aus dem Sinn. Meist nimmt man diese Schachtel dann eh nur beim nächsten Umzug in die Hand...

Wie man sieht, habe ich mich bei der Gestaltung der Pinnwand von meiner derzeitigen Lieblings-Site inspirieren lassen. Da die eine Seite der Wand bereits mit rotem Stoff bespannt war, musste ich nur noch den "Pin it"-Button drauf malen. Und sollte Pinterest mal out sein, dreh ich es einfach auf die jungfräuliche andere Seite, die nur aus Kork besteht :)

Sonntag, 17. Juni 2012

sags am Sonntag: too much Pinterest?

Vor kurzem ertappte ich mich dabei, als ich bei Facebook unten rechts nach "Scroll to Top" gesucht habe, bis mir einfiel, dass ich dazu bei FB ja oben auf "home" klicken muss. Geht das mehr Leuten so? Bin ich zu oft bei Pinterest?
Bei "Fortsetzung folgt Freitag" kommt bestimmt bald mal mehr zu Pinterest und Usability.
Heute Morgen hatte ich Lust ein wenig mit Gimp rumzuspielen. Voilà!

Freitag, 15. Juni 2012

Fortsetzung folgt Freitag


Was uns Deutschen spanisch vorkommt, ist laut Wikipedia für die Türken französisch und für die Rumänen türkisch. Da es den Spaniern selbst aber chinesisch scheint und es in China für Vogelgesang oder die Sprache vom Mars gehalten wird, müsste es uns da logischerweise nicht auch wie marsianischer Vogelgesang vorkommen?!
Wieso komm ich eigentlich drauf? Ach ja, ich möchte etwas zum Sprachwirrwarr 2.0 sagen. Genauer gesagt: die automatische Anpassung der Sprache im Web 2.0.
Ich bin blond und außerdem hat man versucht mir das selbständige Denken abzutrainieren, als ich für die Service Hotline eines Softwareunternehmens arbeitete. Dennoch liebe ich es mein Gehirn zu gebrauchen! Und zwar in der Sprache, die ich wähle und nicht in der, die irgend ein Programmierer für mich oder meinen Standort als am passendsten einprogrammiert hat! So werden die Filmtitel auf  IMDB.com bei mir nicht im englischen Original, sondern auf deutsch oder französisch angezeigt. Wenn ich die deutschen Namen der Filme bei  IMDB.de und die französischen bei IMDB.fr finde, warum bekomm ich sie dann auf  IMDB.com nicht auf englisch?!
Mein Notebook kam mit deutschem Windows. Ich bin momentan recht oft in Frankreich und recht wenig in Deutschland. Viele Websites und Programme mag ich gewohnheitsmäßig lieber in Englisch. Eine schwierige Konstellation für jeden Entwickler, das geb ich ja zu. Vor allem wenn dieser in den USA sitzt und die englischsprachige Welt vielleicht noch nie verlassen hat. Aber warum automatische Probleme schaffen, wo manuell gar keine wären?! Warum nicht einfach natürliche statt künstliche Intelligenz.?! Ein Sprach-Button oder Menüpunkt, mit dem man sich die Sprache selbst aussuchen kann ist ne weitaus cleverere Lösung als zu versuchen zu erahnen, wie ich es denn gern hätte. Wer mich kennt, weiß wie schwer man meinen Gedankengängen manchmal folgen kann... :)


Sonntag, 10. Juni 2012

süßer Sonntag

Mango Coco-Crümböl


Eigentlich versuche ich regional und saisonal einzukaufen. Doch leider gibt es Dinge aus Übersee, wie reife Mangos oder Süßkartoffeln, denen ich ganz politisch unkorrekt nur schwer widerstehen kann. Darum ist es mir fast peinlich, dass ich bei "wohlschmeckend" nun schon das zweite Rezept mit Mango in Folge veröffentlicht habe. Aber sowohl beim Cocos-Crumble als auch beim Mascarponekuchen lassen sich die Mangos durch Nektarinen oder Pfirsiche ersetzen. OK - die wachsen in der Regel auch nicht hier im Norden, aber zumindest hier in Frankreich.
Und dann nenn ich das Ding auch noch Crumble! Denn mit dem Wort Crumblecake  hat Tim Mälzer vermutlich den Grundstein dafür gelegt, dass ich ihn nicht mehr gucke. Manifestiert wurde meine Abneigung gegen ihn durch sein arrogantes Gehabe, wenn er bei Lanz gekocht hat, aber den Anfang machte der Streuselkuchen in seiner eigenen Sendung. Wenn es keine vernünftigen deutschen Alternativen gibt, bin ich die erste, die Anglizismen verwendet. Aber was kann Crumblecake besser ausdrücken als Streuselkuchen?! Lässt man den Cake- bzw. den Kuchen-Teil weg, bezeichnet ein Crumble für mich genauer was gemeint ist: ein Streuselkuchen ohne Boden. Also mit Boden: Streuselkuchen und ohne Boden: Crumble. Auf jeden Fall finde ich es äußerst süß wenn die Franzosen es "crümböl" aussprechen. :) Und da die Streusel eh schon buttersüße Kalorienbomben sind, bin ich froh, dass man durch das Weglassen des Bodens wenigstens ein paar Kalorien einsparen kann.

Freitag, 8. Juni 2012

Fortsetzung folgt Freitag

Was hab ich am Anfang in Amsterdam über das holländische "Brot" gejammert. Da das Vermissen von deutschem Brot ein bekanntes Phänomen ist, hat man uns beim Niederländisch-Kurs im Goethe-Institut dann zur Aufmunterung auch gleich ne Liste ausgehändigt, wo man Brot kaufen kann, das dem deutschen am nahsten kommt. Leider wussten diese Bäckereien ihre Macht zu nutzen und haben dann gleich über 4 € für ein Pfund-Brot verlangt. Ein Betrag, bei dem die Schwäbin in mir automatisch wieder in DM umrechnet! Meine persönliche Lösung war dann ne Brotbackmaschine + Backmischungen von IKEA, bis schließlich auch Albert Heijn und Vomar diese Marktlücke entdeckt haben und begannen anständiges Brot zu verkaufen.

Wenn man in meinen Anfangsjahren in Holland bei Heimatbesuchen mit mir in den Supermarkt ging, musste man sich Stunden dafür freihalten. Denn ein gewöhnlicher EDEKA kam mir plötzlich wie das Schlaraffenland vor. Vermutlich würde man seit meinem Umzug nach Frankreich das gleiche erleben, wenn man mit mir bei Albert Heijn shoppen ginge. Denn ab und zu ertappe ich mich selbst im größten Carrefour bei dem Gedanken, dass ich das, wonach ich gerade verzweifelt suche, bei unsrem Freund Albert sicher ganz einfach fände.
Wenn man im Urlaub mal nen französischen Konsumtempel besucht hat, wird man das kaum glauben können. Denn hier in Frankreich sind die Supermärkte in der Regel riesig und die Auswahl scheint nahezu unendlich. Doch was bringt es, dass man zwischen 100 Sorten O-Saft wählen kann, wenn man nach nem Johannisbeer- oder Kirschsaft für sein Schorle sucht? Wenigstens bekommt man für den Wasseranteil im Schorle was vernünftigeres als nur das ewige 'Spa rood'.

Mit Essiggurken hat man in Holland und Frankreich ein Problem! Das Wissen, dass unsere eingemachten Gurken eigentlich Süß-Sauer-Gurken heißen müssten, musste ich mir sauer erarbeiten.Während es in Holland genügt, darauf zu achten, dass auf dem Glas billiger 'Augurken' auch 'zoet-zuur' drauf steht, hat man in Frankreich schon größere Probleme. Die Franzosen lieben ihre Cornichons sauer! Da bleibt in der Regel oft nur der Griff zur teuren Markenware made in Germany.

Ich kann mich noch gut an die Zeit erinnern, als man in Deutschland das schmackhafteste Gemüse vorwiegend beim ausländischen Gemüsehändler bekam. Vermutlich wollten sich die Menschen mit Migrationshintergrund nicht mehr damit abfinden, dass man in deutschen Supermärkten in der Regel nur geschmacklose Hollandware kaufen konnte, mit denen die heimische Gerichte einfach nicht heimisch schmecken wollten. Wie wichtig aber der Geschmack von Heimat für das Lebensgefühl ist, kann jeder nachvollziehen, der einmal darauf verzichten musste!

Freitag, 1. Juni 2012

Fortsetzung folgt Freitag

Heike mit Migrationshintergund

Wenn mir jemand vor 15 Jahren prophezeit hätte, ich würde schon bald mein schwäbisches Heimatstädtchen als zu eng empfinden und würde zu einem Mensch mit Migrationshintergrund werden, indem ich nicht nur BaWü verlasse, sondern sogar im Ausland heimisch werde, hätte mein Statement gelautet: "oms Verrecka ned!"

Sag niemals nie!

Im Sommer 1998 habe ich Württemberg den Rücken gekehrt. Nach einem Jahr in Baden, 5 Jahren Pendeln zwischen der Kurpfalz und der Hansestadt Bremen, 5 ½ Jahren in Holland und einem halben Jahr Brabant, wohne ich nun schon seit zwei Jahren in Frankreich. Ich kann mich ohne viel nachzudenken auf Hochdeutsch, Holländisch und Englisch unterhalten. Schwäbisch ist wie Radfahren - das verlernt man nie. Sogar mein Französisch ist zunehmend alltagstauglich. Ob ich allerdings jemals Ch'ti lernen werde, wird sich noch zeigen.

Mit "Fortsetzung folgt Freitag" berichte ich über das "Abenteuer Heike".