Sonntag, 12. August 2012

Experimentierfreude

Ich weiß nicht wieso, aber seit ich wieder zurück aus Deutschland bin, verspüre ich den Drang neue Rezepte auszuprobieren. Das liegt keinesfalls daran, dass das schwäbische Essen etwa eintönig gewesen sei. Das wars nämlich ganz und gar nicht. Sonst hätte ich ja wohl nicht als erstes Mamas scharfe Gnocchi nachgekocht. Dieser kochlöffelschwingende Schaffensdrang mag eher daran liegen, dass ich bei meinem Heimatbesuch kaum Zeit auf die RSS-Abos bei Google Reader und auf Pinterest verwenden konnte und ich mich in den vergangen Tagen deshalb durch ewig lange Listen an Rezepten geklickt habe. Bei anderen Kategorien hatte ich ungeniert alle Artikel älter als ein Tag als gelesen markiert. Warum das bei den Rezepten nicht ging? - ein Rätsel.

Bei Chefkoch wurde ich auf Maharadschas Traum aufmerksam. Ich glaube es tauchte als Rezept des Tages im Google Reader auf. Bei den scharfen Gnocchi hatte ich noch vergessen Fotos zu schießen und musste daher die Veröffentlichung bei Wohlschmeckend aufs nächste Nachkochen verschieben. Aber Maharadschas Traum wurde geistesgegenwärtig von mir fotografiert und ist auch schon bei Wohlschmeckend.

Danke Sabine-HH für das tolle Rezept!

Freitag, 10. August 2012

Fortsetzung folgt Freitag

nach drei Wochen ohne Fortsetzung gehts heute weiter. Zwar hatte ich mir vorgenommen, auch von Deutschland aus zu bloggen, aber wer den letzten Eintrag gelesen hat wird verstehen warum das nicht klappen konnte...

"Im Namen von SNCF, der deutschen Bahn und Railteam-Allianz begrüße ich alle Mitreisenden im TGV..." Sobald dieser Satz - meist mit französischem Akzent - durch die Lautsprecher des Zugs hallt und der TGV dabei langsam Paris verlässt, beginnt für mich der relaxte Teil des Reisens. Denn nun liegt alles in den Händen von SNCF, der deutschen Bahn und Railteam-Allianz. Ich habe meinen Teil getan: Ich hab den Hundehaufen-Kopfsteinpflaster-Hindernislauf zur Metrostation Gambetta ohne Strafpunkt für mich entscheiden können, hab mich in den 45 Minuten, die ich wie immer zu früh am Gare Lille Flandres ankam, nicht zu Tode gelangweilt, hab nen neuen Rekord beim Umsteigen Gare du Nord - Gare de l'Est aufgestellt, hab erfolgreich meine innere Deutschlehrerin gebändigt, die sich einmal mehr darüber muckieren wollte, dass es bei der deutschen Erläuterung zur Anzeige der Gleise eigentlich "frühestens 20 Minuten vor Abfahrt" und nicht "spätestens" heißen müsste, hab den langen Marsch bis zu meinem Waggon gemeistert, der natürlich so weit hinten lag, dass ich gefühlt schon halb bis Straßburg gewandert bin und last but not least hab ich mein unverdächtiges Gepäck so verstauen können, dass ich meine Aufsichtspflicht nicht verletze, natürlich inclusive dem vorgeschriebenen Gepäckanhänger. Warum die SNCF auf diese Anhänger besteht, ist mir ohnehin ein Rätsel. Genauso wie die Frage, warum meine französische Fahrkarte vor dem Einsteigen abgestempelt werden muss, die Fahrkarten der deutschen Bahn aber nicht.
Während ich so über diese Fragen grüble und mich über die merkwürdige Anordnung der Sitzplatznummern wundere, tauchen die ersten Mitreisenden auf. Nun trennt sich die Spreu vom Weizen oder vielmehr, der deutsche Bahnreisende vom französischen. Man könnte die Szene überschreiben mit: "man spricht deutsch und verbreitet Hektik". Da die meisten Franzosen im anderen Zugteil sitzen, der nur bis Staßburg fährt, habe ich zwar kaum direkte Vergleichsmöglichkeit, dennoch war ich ja eben gerade noch allein unter Franzosen von Lille nach Paris gereist. In Lille waren alle Fahrgäste mehr oder weniger ruhig eingestiegen, haben ihren reservierten Platz gesucht, ihr Gepäck am dafür vorgesehenen Platz verstaut, sich sich hingesetzt, fertig.
Anders wenn es gen Deutschland geht!
Alleinreisende verhalten sich in der Regel wie die oben beschriebenen Franzosen, es sei denn sie kommen mit einem überdimensionierten Koffer an. Nachdem sie mit dem Mega-Ding durch den zu engen Gang  endlich am Platz angekommen sind, schauen sie sich hilfesuchend um, ob nicht vielleicht ein Olympiasieger im Gewichtheben unter den Mitreisenden zu finden sei. Sie haben es sich in den Kopf gesetzt, dass das Koffermonstrum in die Gepäckablage direkt über sie nach oben muss, denn würde man ihn  in der Kofferablage zwischen den Sitzen ein paar Reihen weiter verstauen, hätte man ihn nicht mehr ständig im Blick und jemand könnte das "Köfferchen" unbemerkt entwenden.
Doch die wahren Hektikverbreiter sind Gruppen von 2 oder mehr Personen. Hier tut sich immer einer als Erkunder, Checker, Macher und Organisierer hervor. Während der Rest der Gruppe das Gepäck in den falschen Waggon lädt, eilt dieser Manager voraus, um die Lage zu erkunden. Er ruft Namen seiner Clan-Mitglieder und deren Platznummern quer durch den Waggon und scheucht Leute auf, die angeblich auf "seinen" Plätzen sitzen, bis sich herausstellt dass dies nicht Wagen 16, sondern 18 ist.


Von meiner Zeit in Amsterdam weiß ich, dass dieses Rudel-Verhalten nichts mit dem TGV oder den Franzosen zu tun hat. Besonders schlimm ist es, wenn so ein deutscher Organisierer mit einem niederländischen Sparfuchs zusammen trifft. Dem Niederländer hatte der nette niederländische Schalterbeamte nämlich erzählt, dass man im ICE keine Reservierung bräuchte. Stimmt ja auch. Man wird von der Bahn auch nur mit Fahrkarte von A, wie Amsterdam nach B, wie Berlin befördert, aber ohne Reservierung halt ggf. im Stehen, da ggf. kein Platz freigegeben wird. Entweder hat der NS*-Mitarbeiter vergessen diese "Unwichtigkeit" zu erwähnen oder der NS*-Kunde hat nach dem Wort "besparen" schon nicht mehr richtig zugehört. Und wenn die elektronischen Reservierungs-Anzeigen im Zug mal wieder nicht funktionieren und überall nur "ggf. freigeben" steht herrscht Ausnahmezustand. Wenn da wenigstens "ggf. reserviert" stünde! Das wäre eindeutig, aber "ggf. freigeben" lässt sehr viel Spielraum für individuelle Interpretationen... 


*NS steht in Holland übrigens für "nationale spoorwegen", also für die niederländische Bahn. US-Amerikaner checken bei Namensfindungen in der Regel, ob die sich daraus ergebenden Initialen nicht irgend eine ungewünschte Abkürzung ergeben. Die Frage, warum die Niederländer das bei NS nicht gemacht haben oder ob es ihnen schlicht egal war, wird wohl auf ewig für mich unbeantwortet bleiben.